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Nachfolgende Zeilen sind natürlich nur Auszüge einer, bei weitem umfangreicheren Sammlung geschichtlicher Kostbarkeiten.

Diese wurden anläßlich der 100 Jahrfeier von Theo Wölfle in monatelanger Kleinarbeit zusammengetragen und von Ludwig Zedelmaier mitgestaltet.

Dieses 48 Seiten umfassende Heft kann für 3 € zuzüglich der Versandkosten unter kontakt@kolping-babenhausen.de bezogen werden.

Die Nöte der Zeit werden Euch zeigen, was zu tun ist!
(Adolph Kolping)

 

Wenn man sich mit der Chronik des ehemaligen Gesellenvereins Babenhausen beschäftigt, so stellt man fest, daß erst ab 1909 Aufzeichnungen über das Leben des Vereins in einem Protokollbuch festgehalten wurden.

Was vor 1909 war, muß Zeitungsauschnitten aus dem vorigen Jahrhundert entnommen oder aus der Aufzeichnung eines Gründungsmitglieds herausgelesen werden.

Am 29.09.1895 lud der H. H. Pfarrer Josef Heel die hiesigen Handwerksmeister und Gesellen in das St. Josefshaus zur Gründung eines katholischen Gesellenvereins ein. Die Versammlung wurde zahlreich besucht. Nach Bekanntgabe der Ziele und Bekanntgabe der Statuten erfolgte die Grünung.

Fast 70 Bürger und ungefähr 40 Jugendliche traten am selben Abend dem neuen Verein bei.

Sogleich las man am 01.10.1895 im "Iller-Roth- und Günz-Boten" von dem freudigen Ereignis, daß Babenhausen in den folgenden Jahren prägen wird.

Der Wunsch eine eigene Fahne zu besitzen, geht zurück bis in die Gründerzeit. Aber woher die Mittel nehmen bei einem Mitgliedsbeitrag von 20 Pfennig?

Zuerst wurde gesammelt und nach 4 Nachmittagen hatten die erfinderischen "Jungkolpingler" bereits 400 Mark zusammen. Anschließend wurde das Theaterstück "Der Gemeindedepp" einstudiert. Nach vier ausverkauften Aufführungen war der Grundstock für die Fahne mit 600 Mark gelegt. Eine beachtliche Summe für damalige Verhältnisse!

Gemeinschaftlich durch Maler-, Schreiner-, Goldschmied- und Nadelstickarbeit entstand die noch heute in orginalen prächtigen Farben strahlende Fahne.

Ebenso bei prächtigen Sonnenschein wurde diese am 26.09.1897 gewiehen. Der Bericht über die Fahnenweihe endete mit folgenden Worten: "Wir wollten auch Fahnenjungfrauen haben, aber H. H. Pfarrer Heel hatte es uns nicht genehmigt". Strenge Sitten;-)

Übrigens, das feierliche Amt zur Fahnenweihe wurde unter der Leitung seines Chorregenten A. Jochum begleitet, der eine fünfstimmige Vokalmesse von Mitterer zur Aufführung brachte.

 

 

"Vorstadt" nannte man die Gegend zusammen mit dem "Paradies" im Osten Babenhausens. Hier standen Bauernhäuser, meistens mit einem Fachwerkgiebel. "Kobelhof" hieß das heutige Pfarrzentrum - unser Kolpinghaus. Der letzte Besitzer hieß Jehle. Dieser verkaufte oder verschenkte es dem Mutterhaus der Franziskanerinnen in Augsburg. Am 4.03.1914 ging das Haus durch Schenkung an den katholischen Gesellenverein über.

Bereits 1889 ließ Pfarrer und Dekan Josef Heel in die Stallungen des Bauernhauses einen bemerkenswerten Saal mit 8 Säulen einbauen.

St. Josefshaus stand auf der Südseite über der Türe und beheimatete den Gesellenverein seit seiner Gründung 1895.

Ein Haus im Dienste der Allgemeinheit, das viele Stufen und Veränderungen druchlaufen hat. Beim Betreten des Pfarrzentrums St. Andreas, einst Kolpinghaus, ist stichwortartig in Bildern und Text die Geschichte des Hauses in einer Grafik dargestellt. Es soll für die Zukunft festgehalten werden, was sich in über 100 Jahren in diesem Hause zugetragen hat.

Kurz nach dem der Gesellenverein die Besitzrechte an seinem Haus geregelt hatte, mussten zahlreich Mitglieder an die Kriegsfront einrücken. Wegen der nun sehr geringen Zahl an Mitgliedern wurde die Monatsversammlung in das Nebenzimmer des Fürstlich Fuggerschen Bräuhauses verlegt.

Gleich nach Beendigung der Kriegshandlungen wird 1918 der "volle Vereinsbetrieb wieder aufgenommen".

Straff werden die Ausschüsse organisiert und unter strenger Kontrolle der Teilnahme wieder obligatorische Monatsversammlungen im St. Josefshaus eingeführt.

Dort wird auch gleich der Monatsbeitrag von 50 Pfennig eingehoben. Vor der Versammlung muß der Vereinsdiener immer die Schulbänke- und Tische ausräumen.

Im Mai 1918 sind schon wieder 38 Mitglieder anwesend. Zu Weihnachten wird dann wieder eine Tradition aufgenommen, die schon vor dem Krieg gepflegt wurde, das Theaterspielen.

Dem Fortbildungs- und Weiterbildungsgedanken wird großer Raum im künftigen Jahresprogramm eingeräumt.

Regelmässig werden Vorträge über Reisen (hierbei werden schon die ersten Lichtbilder gezeigt), geschichtliche und kunstgeschichtliche Themen gehalten. Aber auch Handwerksfähigkeiten werden erläutert, ebenso kommen Verwaltungsfachleute mit Versicherungsfragen zu Wort. Gesundheitsprobleme werden angesprochen und auch über politisch Themen referiert. Nach Möglichkeit werden alle diese Vorträge von Personen aus dem Markt gehalten, bei Bedarf werden auch auswärtige Referenten angefordert.

 
 

Krisenzeiten kündigen sich an.

Die Mitgliedsbeiträge werden neu festgesetzt. Sie betragen für Mitglieder 60 Pfennig, für Erwerbslose 40 Pfennig, Theaterspieler sind vom Beginn bis zur Aufführung beitragsfrei. Die Übernachtungsgebühr für Durchreisende wird mit 25 Pfennig für den Verein und 2 Pfennig für den Hausmeister festgelegt.

Am 08.06.1933 fahren 13 Babenhauser Gesellen mit Präses Süßmaier und dem Kolpingbanner nach München zum großen Deutschen Gesellentag.

Diese große Veranstaltung wird von der Bayerischen politischen Polizei vorzeitig abgebrochen, bei dem die Babenhauser Kolpingsöhne ihr Banner einbüßten. Die Heimreise erfoglte mit "gedrückter Stimmung"

Hier endet die Chronik vorerst.

Der katholische Gesellenverein wird mit Beginn des dritten Reiches in "Kolpingsfamilie" umbenannt.

Ob der Verein noch tätig war ist nicht bekannt. Fest steht, dass 1938 das St. Josefshaus unter politischem Druck an den Landkreis Illertissen abgegeben werden musste und 1939 im Zuge einer Umgestaltung, vier Schulsäle eingebaut wurden.

 
 

Die Chronik beginnt mit dem Jahr 1948 neu, mit folgender Überschrift:

"Und neues Leben blüht aus den Ruinen"

Pfarrer Franz Xaver Knaus bemühte sich sofort, unter Fühlungnahme zu Altkolping-Mitgliedern, den Kolpingverein im August 1947, neu zu gründen.

Das Kolpinghaus war verloren. Aber in lagwierigen Verhandlungen des Pfarrherrn mit dem Landkreis Illertissen gelingt es zunächst den Saal außerhalb der Schulzeit als Versammlungsraum zu nutzen.

Mit eisernem Willen wird der Rückkauf des Gebäudes betrieben. Eine Sammlung im Markt erbringt 6000 Reichsmark für den armen Verein.

Endlich wird 1948, ein Tag vor der Währungsreform der Kaufvertrag unterschrieben und 8000 Reichsmark bar bezahlt. Endlich ist die Kolpingsfamilie wieder im Besitz ihres altehrwürdigen Hauses und das Vereinsleben beginnt wieder zu blühen.

In kolpingtypischer Gemeinschaftsarbeit wird der Westgiebel des Hauses renoviert. Ebenso erfolgt ein Umbau der Schulsäle um geeignete Versammlungsräume für Jung-Kloping zu schaffen. Im Dachgeschoß wird eine Wohnung ausgebaut und eine zusätzliche Übernachtungsmöglichkeit für durchreisende Kolpingsöhne erstellt. 1954 wird der Fachwerkgiebel freigelegt.

Durch die Ansiedlung der Firma Schwäbische Formdrehteile kommen zahlreiche junge Gesellen nach Babenhausen. Viele waren bereits Kolpingmitglieder in Ottobeuren und schlossen sich dem hiesigen Verein an, was dann auch eine starke Belebung zur Folge hatte.

Während des Winterhalbjahres finden jetzt regelmäßig am Dienstag Gesellenabende statt. Zahlreiche Persönlichkeiten aus dem Markt stellen sich zur Verfügung um über aktuelle Themen zu referieren.

Faschingsbälle und Theateraufführungen müssen in den größeren Saal des Bräuhauses ausgelagert werden.

In den 60er- Jahren wird die religiöse Gruppenarbeit mit Bibelabenden wieder stärker aufgenommen. Die Mitgliederzahlen gehen jedoch zurück. So erscheinen bei der Generalversammlung 1964 nur 14 Mitglieder. Aber es werden weiterhin Vorträge gehalten, die zu aktuellen Themen, wie Betreibsratswahlen, Wahl zur Vertreterversammlung der Krankenkasse und zu technischen Neuerungen Stellung nehmen.

   
 

Zum Jahresende verläßt der bisherige Präses Franz Xaver Knaus Babenhausen um eine neue Pfarrstelle in Amerdingen anzutreten. Die Kolpingfamilie dankt ihm für zwanzigjährige Betreuung und ganz besonders dafür, dass es ihm in äusserst zähen Verhadlungen gelungen ist, dass enteignete Kolpinghaus wieder für den Verien zurückzukaufen.

An 2.4.1968 wird als Präses der neue Pfarrherr Lothar Lidel gewählt.

Hier enden die Aufzeichnungen in dem alten Protokollbuch. Die weiteren Entwicklungen des Kolpingvereins wurde "fliegenden Blättern" entnommen, die 1. Vorsitzender Theo Wölfle zusammengestellt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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